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Vom 30.11.2003 – 01.07. 2004 leistete ich EDF in Lettland. Ich entschied mich, dort für 7 Monate in einem Kinderheim in der Hauptstadt Riga zu arbeiten. Der Schwerpunkt des Projektes „With love and hope- to children home „Ilga““ sollte darin liegen, die Kinder in ihrer Freizeit zu betreuen und sie somit vom sinnlosen Rumlungern auf den Strassen und Alkoholmissbrauch o. ä. abzuhalten. Ich arbeitete dort zusammen mit einem zweiten Freiwilligen aus Belgien, der mir durch seine Russisch- Kenntnisse über einige Verständigungsprobleme hinweghalf. Diese traten ständig auf, da weder die Kleinen (im Alter von 5- 13) noch einer der Betreuer Englisch sprach.

Mit vielen guten Ideen kam ich in dieser Projektstelle an, doch nach dem die erste Euphorie verflogen war, stellte ich bald darauf ernüchtert fest, dass ich in meinem Projekt nicht mehr glücklich war. Dies lag daran, dass wir keinerlei Unterstützung von dem dortigen Personal erhielten, Zudem waren die Kinder, die wir dort betreuten, nicht unbedingt „pflegeleicht“. Sie hatten es nicht gelernt, ihre Probleme mit Worten zu lösen, was zur Folge hatte, dass jede Meinungsverschiedenheit zu einem Handgemenge führte. Ich hatte oft den Eindruck, dass dort nur das Recht des Stärkeren galt. Diese und andere Probleme führten dazu, dass wir um eine Unterredung mit der Direktorin baten, um etwas an der momentanen Situation zu ändern. Das Resultat dieses Gesprächs war, dass wir von da an nur noch einmal wöchentlich in dieses Kinderheim gingen und 3 Tage in „Lejasstrazdi“ einem anderen Heim auf dem Land verbrachten. Der Unterschied war wie Tag und Nacht. In „Lejasstrazdi“ wurden wir mit offen Armen empfangen und von Anfang an in jegliche Aktivitäten eingebunden. Das Kindehrheim hatte etwas Familiäres. Im Gegensatz zu „Ilga“ handeltet es sich bei dem zweiten Kinderheim um eines, in dem vorrangig Lettisch gesprochen wurde.
Aus diesem Grund brach ich nach ca. 2 Monaten meinen russischen Sprachkurs ab und begann Lettisch zu lernen. Mein Leben in Riga brachte mir jedoch mindestens genauso viele Erfahrungen, wie die Arbeit in meinem Projekt. Die ersten vier Monate lebte ich in einer Wohngemeinschaft mit einer Französin und einem Belgier. Wir erlebten einen -typisch lettischen- harten Winter unter kargen Bedingungen. Zusammen lernten wir viele Jugendliche aus unterschiedlichen Nationen kennen. Alle unsere Unterhaltungen wurden in Englisch geführt und somit verlor ich jegliche Scheu vor dieser Sprache. Ich habe einiges über mich selbst gelernt und weiß, dass ich vielmehr aus eigener Kraft schaffen kann, als ich mir vorher zugetraut hätte. Ich habe in dieser Zeit viele gute Freunde gefunden, dabei denke ich vor allem an meine beiden Mitbewohner. Wir wurden in dieser Zeit, durch unseren gemeinsamen Erlebnisse, so zusammengeschweißt, dass ich mir ganz sicher bin, dass diese Freundschaften halten werden, komme was wolle.
Vielleicht lief in meinem EDF nicht alles so glatt, wie ich es mir vorgestellt hatte. Durch die Schwierigkeiten, die ich dort überwunden habe, kann ich mich nun um so besser an den schönen Erinnerungen erfreuen.

Es war wohl der bisher schönste Flug meines Lebens, trotzdem er etwas bekümmert begann! Zwischen Lachen und Heulen stand ich am Flughafen. Leute schauten verdutzt, nicht recht wissend was mit der Mitreisenden sei. Der eigentliche Flug begann mit dem Umrunden meiner Stadt Berlin; Fernsehturm, Brandenburger Tor, mein Köpenick und zu guter Letzt der Müggelsee wurden überfolgen. Plötzlich, diese Bilder noch im Kopf, eröffnete sich die österreichische Bergwelt. Die Sonne durchbrach Wolkenwände und ließ einen zarten Schimmer auf die Gipfel herab. Spätestens hier wusste ich-Austria ick komme. Nach einer netten Zugfahrt durch die Dunkelheit, kam ich spät am Abend in Graz an. Nett empfangen, besichtigte ich mein neues zu Hause – herzlich sah es aus, versehen mit einem Blumenstrauß. Die ersten Tage sträuselte ich durch Grazer Straßen und Gassen, machte Bekanntschaft mit sämtlichen Damen der Grazer Infostube, durchstöberte stundenlang Hofer, Billa, Spar, Mercur und ging zum Frisör. Freudigerweise wurde ich zur Einjahresfrisörsbestandsparty eingeladen. Also zu meiner ersten Chance neue Bekanntschaften und Freundschaften zu machen.

Im Sommer letzten Jahres überlegte ich mir „Wenn du das Abi schaffst, dann bloß nicht gleich Studieren oder Ausbildung- nein, mach was Sinnvolles für die Gesellschaft“. So kam es, dass ich mit verschiedenster Hilfe von netten Menschen als eine EVSlerin nun im AIS-Jugendservice arbeiten durfte. Meine Arbeit war unglaublich vielfältig. Vom Zusammensein mit verschiedensten jugendlichen Charakteren, Co-Betreuung derer bis zu Hilfe sein – wenn gerufen wird. Neben Aus- und Umzügen mit den Jugendlichen sowie Ikeaeinkäufen, konnte ich Zeitungsgestalterin, kleine Organisatorin und Anstragsstellerin für diverse Aktionen sein. Dabei bekam ich Einblicke in die Jugendarbeit (logischerweise), konnte an Weiterbildungen teilnehmen, wurde in Supervisionen (wenn erforderlich) psychologisch unterstützt, fuhr (beruflich) nach Ungarn und im Grunde das machen was mir Spaß macht und doch dem AIS ein bisschen von Nutzen war.

Zusammensein mit verschiedensten jugendlichen Charakteren, Co-Betreuung derer bis zu Hilfe sein – wenn gerufen wird. Neben Aus- und Umzügen mit den Jugendlichen sowie Ikeaeinkäufen, konnte ich Zeitungsgestalterin, kleine Organisatorin und Anstragsstellerin für diverse Aktionen sein. Dabei bekam ich Einblicke in die Jugendarbeit (logischerweise), konnte an Weiterbildungen teilnehmen, wurde in Supervisionen (wenn erforderlich) psychologisch unterstützt, fuhr (beruflich) nach Ungarn und im Grunde das machen was mir Spaß macht und doch dem AIS ein bisschen von Nutzen war. Wie lebte es sich sonst in Graz als Berlinerin? Es gibt so einige Dinge die anders sind. Manche Unterschiede sind für mich nicht recht nachvollziehbar. Zum Beispiel die Ladenöffnungszeiten. Sicher, werden die Geschäfte nicht bis Zehn Uhr (wie ab diesem Jahr in Berlin möglich) geöffnet sein, aber wenn man um 18 Uhr Feierabend macht und man sich denkt: „Mensch, du brauchst noch unbedingt etwas Schönes für Ostern. Ab zum H und M und stoppen – 1 und eine halbe Stunde ist ja noch Zeit.“ Dann lass ich an der Tür bis 18.30 Uhr geöffnet. „Kann nicht sein, die haben sich verschrieben!“ Im Geschäft kamen erste Zweifel…“Wie lange haben sie geöffnet?“ – Bestätigung des Genesenden. Die zweite Frage lautete dann bestürzt

Doch welch ein Glück, ich lebte dort nicht alleine, sondern mit mindestens 7 weiteren Volontären aus verschiedenen Ländern. Wir machten das Beste draus, tapezierten die Wände mit Fotos zu und machten es uns so gemütlich wie möglich. Ich muss sagen ich hab unser spartanisches Leben nach längerer Eingewöhnungszeit wirklich lieben gelernt. Nur manchmal wurde ich fast wahnsinnig, da es keinen Rückzugsort gab.
Umso öfter ging ich hinaus und entdeckte die wunderschöne Natur, die sich hinter so manchem Industriegelände verbarg, ob mit Fahrrad oder zu Fuß. Auch reiste ich anfangs viel umher, besuchte verschiedene Volontäre, um dann immer wieder festzustellen, dass ich im Vergleich zu ihnen die Arschkarte gezogen habe, was die Unterkunft und die Stadt anging. Jede polnische Stadt schien schöner zu sein, als meine …

Bis hierher hört sich das recht negativ an, aber eine Sache erkannte ich im Vergleich zu den anderen Volontären: Ich hatte ein richtig tolles Projekt!

„Alle? H und M s ?“ – „Joa oalle.“ Dieses Schließungsphänomen gilt auch den Restaurants, die nur bis 22.00 Uhr geöffnet und am Sonntag ganz geschlossen haben. Eine mir ebenso etwas schleierhafte Sache, gilt der Vanillinsoße. Von Geschäft zu Geschäft bin ich gelaufen, um eine im Tetrapack enthaltende Vanillinsoße für die leckeren österreichischen Süßspeisen zu bekommen. Meine letzte Station galt dem Hofer. Als die Verkäuferin abermals verneinte, fragte ich etwas naiv; „Warum denn Bild 2 eigentlich nicht? – In Deutschland gibt’s das immer.“ Die Dame war darauf nicht gut zu sprechen: „Na doann müssens wiedor noch ihr Deutschland gehen!“ Ab diesem Zeitpunkt wurde die fehlende Soße importiert. Besonders schön war aber zum Beispiel, dass mich keine älteren Herrschaften anschnauzen, wenn ich mit dem Rad auf dem Bürgersteig fuhr. Im Gegenteil, es wurde der Hut gezogen, oder einfach ganz freundlich gesagt „Na doa machen wir ma Ploatz.“ Das war wirklich herrlich!

Schön ist auch, dass man hier von vielen Männern auf Drinks eingeladen wurde. Bei solchen Sachen sind die Berliner Jungs mehr als knauserig. Überhaupt scheinen mir die Grazer ein offenes Völkchen zu sein. Ich überall willkommen – das tut gut.

Auch wenn man das eine oder andere Mal, mit Hildegard Knef (Berliner Multitalent) „Ich habe noch einen Koffer in Berlin“ im Ohr, durch die Straßen zog, hatte ich keine Gelegenheit für Heimweh und so genoss ich diese Stadt, meine Arbeit und ein Stück Freiheit.

Meine Zeit in Griechenland (vom 12. September 2007 bis 12. März 2008) werde ich niemals vergessen. Allein die Vorbereitung meines Aufenthalts in Athen verbinde ich mit vielen Erinnerungen. Als ich mich bei der „Horse-Riding-Association“(Trag) beworben hatte bekam ich zunächst eine Zusage, danach (versehentlich) eine Absage und ihr könnt euch vielleicht vorstellen, wie ich mich gefreut habe, als ich dann doch eine Bestätigung der Zusage erhielt:) In dem Projekt ging es um die Therapie von Menschen mit geistigen und körperlichen Behinderungen (hauptsächlich Kinder) unter Einsatz von Pferden, was ich sehr interessant fand.
Mit der Zeit begann ich mehr und mehr zu realisieren, was ich mir da vorgenommen habe. Als ich dann im Flugzeug saß, hatte ich gemischte Gefühle: Neugier, Aufregung, Unsicherheit, was mich erwarten wird… bereits im Vorhinein hatte ich Kontakt mit meiner zukünftigen Mitbewohnerin Lena(aus Österreich)aufgenommen, welche im gleichen Zeitraum, wie ich, das EFD dort machte. Wir hatten vereinbart uns am Flughafen zu treffen und dann gemeinsam mit dem Bus zum Treffpunkt zu fahren.

Dort angekommen erwartete man uns schon und wir wurden sehr freundlich begrüßt. Man begleitete uns zum Trag und zeigte uns unsere Unterkunft (ein Wohncontainer) für die nächsten 6 Monate. Am nächsten Tag begann der Intensiv-Sprachkurs, welcher 10 Tage ging. Wie der Name schon sagt, wurde uns innerhalb von kürzester Zeit einiges erklärt. Das war neben der derzeitig vorherrschenden Wärme teilweise richtig anstrengend. Neben Lena und mir, nahmen auch noch ein französischer, zwei niederländische und eine weitere deutsche Freiwillige teil. Doch diese waren nur für die Zeit des Sprachkurses in Athen und fuhren dann nach Lechaina zu ihrem Projekt. Nach den 10 Tagen sollten Lena und ich eigentlich noch weiterhin Unterricht bekommen, aber wir konnten mit der dafür zuständigen Griechin keinen weiterin umsetzbaren Termin vereinbaren.

Nach dem Sprachkurs wurde es dann ernst. Wir lernten die Pferde kennen, wie man mit ihnen umgeht und sie pflegt. Und das alles unter der Anleitung vieler lieber Menschen. Mit ihnen habe ich so manches Mal Muskelkater in meinem Lachmuskel bekommen. Und ich habe durch sie viel über die Lebensweise der Griechen gelernt, sei es durch eine Einladung zur Namenstagsfeier, einem gemütlichen Fernsehabend oder z. B. einem Tavernenbesuch. Und eines ist gewiss: Griechen sind so gut wie immer mindestens eine halbe Stunde zu spät…das gehört hier anscheinend zum „guten Ton“.:-) Das war sehr gewöhnungsbedürftig für mich, da ich das so nicht kenne. Ich hasse es zu spät zu kommen, aber mit der Zeit gewöhnt man sich auch daran, denn was bleibt einen anderes übrig. Zumindest zu den Therapieeinheiten waren alle weitesgehend pünktlich.:-)

Was die sogenannten „Sessions oder Lessons“ angeht, so war es meine Aufgabe, die jeweiligen Pferde vorzubereiten(z.B. Satteln). In der Einheit selbst hatte ich verschiedene Aufgaben. Entweder war ich „Driver“, d. h. ich hatte die Kontrolle über das Pferd, oder ich war „Sidewalker“. Zweiteres bedeutete, dass ich neben Pferd und Reiter (meist Kinder) herlief, Übungen mit ihnen machte und gegebenenfalls Hilfestellungen gab.

Zwischenzeitlich half ich in einem anderen Projekt in Olympia mit. Dort sind 2007 große Waldflächen niedergebrannt. Das Ziel des Projektes war es, verbranntes Geäst zusammenzutragen und an einem Sammelpunkt niederzubrennen. Auch hier bot sich wieder die Gelegenheit, nette Leute kennenzulernen.
Schon bevor ich in Griechenland landete, hatte ich mir überlegt, so viel wie möglich vom Land selbst und seinen Inseln zu sehen. Eines kann ich mit Sicherheit sagen: Es gibt wirklich viele schöne Plätze. Leider gibt es aber auch nicht so reizvolle Seiten. Zum Beispiel die Strände nahe Athen sind(zumindest in der Zeit, wo ich dort war) ziemlich vermüllt und die Stadt selbst ist laut und teilweise auch sehr verschmutzt. Apropos laut: Der Verkehr hat es in sich! Vorsicht Fußgänger! Rot heißt hier nicht immer STOP für die Autos. An dieser Stelle ist viel Vorsicht angesagt.

Neben meinen Erfahrungen, die ich in Griechenland-speziell Athen- sammeln konnte, habe ich hier noch etwas anderes gefunden. Einen sehr liebenswerten Menschen, mit dem ich dank einer verständnisvollen Aufnahmeorganisation und meinem Projektleiter/Tutor die letzten 3 Monate in meinem Projekt zusammenarbeiten konnte.

Dass ich nach Polen wollte war mir von Anfang an klar, schließlich bin ich selbst in Polen geboren, und ein teil meiner Familie lebt noch in Oberschlesien. Doch da ich in Deutschland aufgewachsen bin und nur in den Ferien mal da war, kannte ich Polen doch nur oberflächlich. Es zog mich schon immer zu meinen Wurzeln hin, und ich liebte die polnische Sprache, also warum nicht mehrere Monate in Polen leben und arbeiten?

Ich habe gleich ein paar interessante Projekte gefunden, und wurde in Bydgoszcz von der „Fundacja WIATRAK“ angenommen. Ich würde also einen ganz anderen Teil Polens kennen lernen. Bisher kannte ich nur das Meer, die Mazuren und die Region im Süden in der ich geboren wurde. Im Internet recherchierte ich über die Stadt, das klang doch wunderbar: vier Unis, viel Natur, Sport und Kultur in Hülle und Fülle und das Projekt von vielen Seiten gelobt. Das klang wunderbar, ich malte mir alles aus und setzte die lückenhaften Informationen zu einer schönen alten Stadt zusammen. Ich wusste, dass es in Polen viele Plattenbauten gibt und auch die etwas ernüchternden Worte einer anderen deutschen Volontärin nahm ich zwar war, aber mein Bild änderte sich doch erst drastisch als ich ankam …
Ich bin in einer hässlichen Industriestadt gelandet. Das Zentrum war zwar ganz hübsch, allerdings lebte ich etwa 20 km davon entfernt in einem Stadtteil, der nur aus Plattenbauten bestand. Na ja, das ist normal für ehemalige Sowjetstaaten, damit konnte ich mich auch abfinden. Das Problem war nur, dass es nichts gab in diesem Stadtteil. Kein nettes Cafe, wo man hätte Leute kennen lernen können, keine Kulturangebote, nichts. Und dabei lebten da sehr viele Studenten. Ich sollte unter ihnen im Studentenwohnheim leben, in einem Plattenbau natürlich, mit den anderen Volontären zusammen. Unter Studenten habe ich mir was anderes vorgestellt. Eine bunte, aufgeschlossene Gesellschaft, so wie ich sie aus Deutschland kenne. Und wieder sah die Realität anders aus: Es herrschte Anonymität vor. Und ich weiß nicht, ob im Wohnheim nur ein bestimmter schlag Leute lebte und die anderen sich verkrochen – ich will es hoffen. Jedenfalls war es ganz anders als erwartet: Tecknomucke mischte sich mit einem ständigen durch Zigarettenrauch verursachten Feueralarm, ein Regen von Bierdosen und Müll flog aus den Fenstern, unter den sich zu Semesterende sogar einige Kühlschränke und Computerbildschirme mischten. Für mich war das ein Schock, auch die eine Waschmaschine für 700 Studenten, die abblätternde Farbe, und die nur aus Herdplatten und einem Waschbecken bestehende Gemeinschaftsküche für ca. 25 Leute machte es nicht besser.

Doch welch ein Glück, ich lebte dort nicht alleine, sondern mit mindestens 7 weiteren Volontären aus verschiedenen Ländern. Wir machten das Beste draus, tapezierten die Wände mit Fotos zu und machten es uns so gemütlich wie möglich. Ich muss sagen ich hab unser spartanisches Leben nach längerer Eingewöhnungszeit wirklich lieben gelernt. Nur manchmal wurde ich fast wahnsinnig, da es keinen Rückzugsort gab.
Umso öfter ging ich hinaus und entdeckte die wunderschöne Natur, die sich hinter so manchem Industriegelände verbarg, ob mit Fahrrad oder zu Fuß. Auch reiste ich anfangs viel umher, besuchte verschiedene Volontäre, um dann immer wieder festzustellen, dass ich im Vergleich zu ihnen die Arschkarte gezogen habe, was die Unterkunft und die Stadt anging. Jede polnische Stadt schien schöner zu sein, als meine …

Bis hierher hört sich das recht negativ an, aber eine Sache erkannte ich im Vergleich zu den anderen Volontären: Ich hatte ein richtig tolles Projekt!

Es war ja auch klar, da wo es nix gibt, kann man aktiv werden, dort wird es gebraucht! WIATRAK, eine katholische Organisation, organisierte eine Vielzahl von Projekten insbesondere für Menschen aus ärmlichen Verhältnissen, bei denen wir Volontäre halfen. Beispielsweise gab es Ferienlager mit Kindern und behinderten Erwachsenen, Familienfahrten, Theater für Behinderte etc.. Das waren zusätzliche Projekte. Hauptsächlich arbeitete ich jedoch im Kindergarten und in einer Behindertenwerkstätte. Der Kindergarten begeisterte mich weniger, doch die Arbeit in der Tagesstätte war super, da ich teilweise eigene kleine Kunstprojekte mit den Behinderten machen konnte. Außerdem herrschte da eine tolle Atmosphäre vor und die Ausstattung war richtig gut. Da war ich auf jeden Fall positiv überrascht von Polen. Neben dieser sozialen Komponente ging es auch viel um den Austausch von Kulturen und den europäischen Gedanken: Wir stellten den EVS auf Jugendmessen und in Schulen vor und hielten viele verschiedene Präsentationen über unsere jeweiligen Länder. Ich muss sagen: Ich habe Deutschland erst in Polen kennen gelernt …

Nicht zu aller letzt gab es auch andere Projekte, an denen ich teilnahm: Bydgoszcz hat kulturell zwar wenig zu bieten, aber ist die größte Stätte des Sports in Polen. Die Weltmeisterschaft der Leichtathletik der Junioren fand hier statt. Mehrere tausend Sportler aus 184 Ländern der Welt kamen für zwei Wochen nach Bydgoszcz und ich war hinter den Kulissen dabei! Es war super spannend und interessant, auch wenn das österreichische Team, welches ich als Team Attaché begleitete, wegen Misserfolg mies drauf war. Egal, endlich war mal was los!
Und nicht nur das Projekt war gut, sondern mein On-arrival-training in Warszawa, gleich zu Beginn meiner Zeit in Polen war der absolute Wahnsinn! Das war die beste Zeit, die ich in Polen hatte! Wir waren eine bunte Gruppe aus sechs Ländern, wobei ich – zu meiner positiven Überraschung – die einzige Deutsche war. In einem netten Hotel mit köstlichem Essen verbrachten wir eine Woche mit entspanntem, lockerem und interessantem Programm. Wir hatten viel Zeit uns kennen zu lernen, dass gute Freundschaften entstanden und hatten viel Zeit die jeweiligen Kulturen sowie auch die polnische Hauptstadt und Kultur kennen zu lernen. Das war eine euphorisierende Zeit, die mir persönlich viel Kraft gab, um die darauf folgende, teilweise schwierige und einsame Zeit zu meistern.

Ja, die Zeit in Polen war kein Zuckerschlecken. Aber es war eine sehr lehrreiche und kostbare Zeit, eine Achterbahnfahrt der Gefühle. Ich habe Polen ganz anders kennen gelernt als ich es bisher kannte und ganz anders als erwartet.

Da sieht man mal, wie verschieden es sein kann, abhängig davon wo man ist. Gut, dass ich mein Herkunftsland zu gut kenne, um nicht in die Versuchung zu kommen voreilige Schlüsse zu ziehen.

Nun, erwartet und doch plötzlich ist mein Auslands(fast)jahr vorbei. 10 Monate Dänemark. Soviel ist passiert, mehr unerwartet als gehofft, doch im Rückblick eigentlich nur Dinge, die eines Lebens bereichern. Lebenserfahrung. Dies ist auf jeden Fall eines der „großen Worte“, die mir zur allgemeinen Beschreibung dieser Zeit einfallen. Meine Reise begann am 1.9.2007 am Berliner Hauptbahnhof. Ich war bereit, mein bisheriges deutsches Leben, meinen Job, das Gewohnte, die Freiheit alles selbst bestimmen zu können, für 10 Monate Erfahrung, mal ganz etwas anderes zu tun, pausieren zu lassen. Den Zug gen Norden bestieg ich nicht ohne Tränen und letzten Zweifeln, doch meine Entscheidung war ja getroffen. Mit der Fähre ging es von Fehmarn nach Rodby Hafen auf Lolland, der kleinen, Deutschland am nächsten gelegenen Insel. Dort wurde ich von meiner Gastfamilie erwartet, keiner weiß, wer von uns nervöser war. Die Hansens bestehen aus 7 Personen plus 3 Hunde. Sie wohnen in einem Ort bestehend aus 10 Häusern mitten auf Lolland, ringsherum Felder. Der nächste Kaufmannsladen ist 5 km weg, die nächst größere Ortschaft Nakskov 10 km. Wenn man gerade mitten aus Berlin kommt, bedeutet die Eingewöhnung in ebendiese Umgebung schon größere Anpassung.

Das Projekt in dem ich arbeiten sollte ist eine Internatsspezialschule für Jugendliche mit der Diagnose ADH oder Hyperaktivität. Speziell, das ist schon eine Bild 1 gute Beschreibung für den Alltag und die Arbeit mit den Schülern, von denen 4/5 männlich sind. Die Unterrichtsfächer- und methoden sind zum Beispiel sehr praktisch orientiert, täglich gibt es zwei kürzere Einheiten Dänisch und Mathe, den größten Teil des Tages werden andere Fächer nach Wahl der Schüler angeboten. Z.B. Fischen, Segeln, Schreinern, Kunst, Schweißen, Sport oder Wandern. Die wenigen „Lehrer“ haben eine pädagogische Ausbildung sondern kommen aus den Berufen, in denen sie nun die Jungen unterrichten. Für mich war es ein bisschen schwierig herauszufinden, wieso diese Einrichtung „Schule“ heißt, wo sie so wenig mit den Schulen ähnelt, die mir bekannt sind. Es werden keine Noten vergeben und auch keine offensichtlichen Leistungsanforderungen gestellt. Soweit ich das beurteilen konnte. Wenn die Schüler keine Lust am Fach haben, müssen sie nicht. Handyspiele sind offenbar auch eine adäquate Beschäftigung. Obwohl ich nett und herzlich in das Lehrerkollegium aufgenommen wurde und mir alle halfen, mich in der Schule und mit der Sprache vertraut …
… zu machen, konnte ich auch nach einem Monat nicht richtig feststellen, was mein eigentliches Projekt als Aufgabe für mich beinhalten sollte. Jeden Tag ging ich mit in den Unterricht, konnte aber nichts tun als dabei zu sein und versuchen alles zu verstehen. Das Problem dabei war nicht hauptsächlich die Sprache, fast alle konnten englisch, sondern das ich nicht wusste, was ich dort sollte. In der Gastfamilie gab es mittlerweile auch Zwistigkeiten, die sich schon gleich nach meiner Ankunft dort aufgebaut hatten und nach einer Zeit eine recht schlechte Stimmung zwischen uns schaffte. Nach einem gemeinsamen Gespräch mit der Hostorganisation ICYE, der Familie und mir waren die Probleme vorerst vom Tisch.

Nach kurzer Zeit tauchten sie aber wieder auf, was kurz gesagt zu meinem Auszug führte. Für zwei Wochen kam ich in meinem Projekt, also der Schule unter, man versuchte inzwischen eine andere Gastfamilie zu finden. Dies war nicht möglich, Lolland ist dünn besiedelt, und einen „Gaststudenten“ aufzunehmen nicht sonderlich populär. Lösung war ein Projektwechsel. Nach einigen Telefonaten und einem Besichtigungsbesuch zog ich also Mitte November nach Jütland, genauer gesagt in ein kleines Dorf 16 km westlich von Aarhus. Hier sollte ich nun meinen EFD verbringen. Es handelte sich um eine selbstgegründetete Kommune, aufgebaut nach der Philosophie Rudolf Steiners mit dem Hauptziel, Behinderte und Nichtbehinderte so nah, natürlich und selbstverständlich wie möglich zusammenleben zu lassen. 110 Einwohner zählt das Dorf, 20 davon sind Behindert, wohnen in zwei großen WG s zusammen betreut von Pädagogen. Ihre tägliche Arbeit finden sie in einer der fünf dorfeigenen verschiedenen Werkstätten: Bäckerei, Gärtnerei, Meierei/ Landwirtschaft, Webstube und Küche (dort werden alle Mahlzeiten für die Behinderten und Pädagogen zubereitet). Die anderen 90 Einwohner haben alle ihre eigenen Häuser und Wohnungen und arbeiten entweder mit im Dorf oder gehen „normalen“ Jobs nach, z.B. in Aarhus.
Im Dorf arbeiteten auch andere Praktikanten so wie ich. Wir wohnten im Dorf in verschieden Wohnungen. Mein Zimmer lag neben den Zimmern der Behinderten, ich war also absolut in den Tagesrhytmus des Hauses eingebunden. Bild 3 Meine Aufgabe bestand überwiegend darin, in den Werkstätten (hauptsächlich Bäckerei und Gärtnerei) mitzuarbeiten (die erzeugten Produkte werden im dorfeigenen Laden verkauft), und den Behinderten bei ihrem Tagesablauf zu helfen. Außerdem war ich im allgemeinen Tagesgeschehen des Dorfes dabei, half z. B. anstehende Feste vorzubereiten, den Laden in Ordnung zu halten oder die Behinderten zu verschiedenen Aktivitäten zu fahren.

Die 8 Monate in dieser Kommune werde ich sicher nicht vergessen. Ich bin sehr froh über den Projektwechsel, habe sehr viele offene nette Menschen kennen gelernt und sicher auch neue Dinge gelernt. Das Leben in der Kommune ist schwer beschreiblich, absolute Priorität hat Demokratie und Gemeinschaft. Jeder kennt jeden es gibt viele (natürlich auch an die Steiner – Theorie angelehnte) gemeinsame Aktivitäten im Dorf. Dieses hat etwas von einer kleinen Insel, einer heilen Welt für sich im „Einklang mit der Natur“. Die Umgewöhnung von einem „normalen“ Leben dorthinein ist wie alles, was neu und unbekannt ist, nicht einfach, aber möglich. Wohnen möchte ich dort sicher nicht, aber den Kontakt werde ich bestimmt mit einigen Menschen halten.
Abschließend bleibt mir nur zu sagen, dass ich sehr froh bin, diese Möglichkeit der Auslandserfahrung bekommen zu haben, auch wenn am Ende alles anders als erwartet war. Aber das muss vielleicht auch so sein. Hätte ich die Chance, würde ich den EFD auf jeden Fall noch einmal machen, empfehlen werde ich ihn sicher jedem. Durch ihn habe ich hier eine neue Zukunft für mich finden können. Ich lebe und arbeite jetzt in Dänemark.

Noch immer verunsichert was mich am Ziel meiner Reise und im nächstem Jahr erwarten wird, dafür fest davon überzeugt das Jahr nicht zu verschwenden und etwas Neues zu lernen, saß ich am 17. Juli `06 im Zug nach Tilburg in Nord-Brabant nördlich der niederländisch/belgischen Grenze.
„Ich”, das heißt Jens Roeser(21), entschloss mich während meines Zivildienstes bei „JuSeV”, der Organisation die mich auch in die Niederlande entsandt, dass ich ein Jahr bevor ich mit meinem Studium beginnen werde, ein Jahr im europäischen Ausland leben will.
Zur aller Erstes, der legale Verkauf von weichen Drogen war für mich kein Grund das nächste Jahr im Land ohne Berge zu verbringen. Ich hatte lediglich das Bedürfnis etwas komplett Neues zu erleben, nach neuen Eindrücken zu suchen, an meinen Sprachkenntnissen zu arbeiten und vor allem in meinem Weltbild zu wachsen. Reisen bildet! Im Prinzip suchte ich einfach einen Tapetenwechsel, außerdem sah ich die Möglichkeit mich so endlich entscheiden zu können was ich in meiner Zukunft erreichen will, d.h. was ich anschließend studieren werde.
Die Suche nach einer Aufnahmeorganisation dauerte dann doch etwas länger, als ich erwartet hätte und nach Italien und Griechenland wurde mir letztendlich aus Tilburg fest zugesagt und einige Monate späte war ich schon nicht mehr in Deutschland.
Belohnt wurde ich für meine Neugier mit einer für mich neuen Sprache, neuen Freunden verschiedenster Nationen und letztendlich auch einem neuen eigenen Leben unabhängig von dem was ich vorher gemacht habe. Ich bleibe dabei, dass mir Großstädte optisch nicht gefallen, aber Tilburg konnte mir wesentlich mehr bieten als Fürstenwalde. So hat sich mein Leben dort auch entwickelt. Was sich mir geboten hat habe ich auch genutzt.
Meine “Karriere” in Tilburg ging ursprünglich von „Attak”(ja, meine erste Assoziation war auch die Anti- Globalisierungsorganisation ATTAC), einer dortigen Jugendeinrichtung im Stadtzentrum aus.

Laut der Beschreibung zur Aufgabe des Europäischen Freiwilligen hieß es, dass dieser sich an mindestens einem Projekt beteiligen und wenn möglich noch selber ein eigenes realisieren soll.
De Facto begann mein Leben in Tilburg aber so, dass ich erst einmal die Leute um „Attak” kennen lernen konnte und Zeit hatte mir Tilburg ein bisschen anzusehen. Leider hatte man dazu plötzlich nur zu viel Zeit und man verlangt früher als erwartet nach ein bisschen Arbeit, denn in der Praxis lernt man Leute am schnellsten und besten kennen. Mein Problem war dabei nur, dass ich gar nicht wusste wie ein „Projekt” hier aussehen könnte, bzw. was für Projekte bestehen, denen man sich anschließen kann. Meine Einführung habe ich doch selber vorgenommen und so hat es etwas gedauert bis ich die Arbeitsweise von „Attak” kennensgelernt habe. Wie ich schon erwähnt habe gab es zu diesem Zeitpunkt noch nicht viel zu tun in „Attak”. Wo aber nach Hilfe gesucht wurde war im Skatepark „Ladybird” in der Hall of Fame, die sich gerade im Aufbau befand und deren Eröffnung vor der Tür stand und kurzerhand entschloss ich mich, dort täglich ein bisschen zu helfen. Es dauerte nicht lange bis ich mich dort eingelebt habe. Die Zeit die ich dort verbrachte und geholfen habe, empfand ich als konstruktiv, sowohl sozial als für den Aufbau des Skatparks, denn ich habe dabei Leute kennen gelernt, die mir später bei meinem Projekt, worüber ich noch berichten werde, mit Kontakten viel helfen konnten.
Emotional waren besonders die ersten Monate in den Niederlanden, die neue Umgebung und meine neue Lebenssituation sehr verwirrend, da plötzlich nichts mehr in meinem Radius war, was mir vertraut war. Das Gefühl „zu Hause” hatte ich in den ersten Monaten seltener. Das wurde dann auch augenblicklich von meinem Mitbewohner wieder ruiniert. Das hat sich bis zum Schluß nicht geändert, aber trotzdem konnte ich nach einem halben Jahr Tilbrug ohne Zweifel mein Heim nennen. Wenn ich das Problem mit meinem Mitbewohner auf den Punkt bringen könnte, würde ich das auch tun, aber leider ist das nicht so einfach, daher erspare ich meine Gedanken hier dem Leser. Ich reduziere das mal auf ein Defizit in den Sympathien. Ich habe die Grenze des halben Jahres erwähnt. Als ich nach meinem Weihnachtsurlaub wieder zurück nach Tilburg kam hat sich bei mir was geändert. Ich hörte auf zurück nach Fürstenwalde und an mein altes zu Hause zu denken und konzentrierte mich ausschließlich auf mein Leben in Tilburg und seit dem hat sich alles schnell und positiv besonders in sozialer Hinsicht entwickelt. Also, nicht jammern, sondern Ideen die man hat anpacken und Möglichkeiten ergreifen.

Noch im Verlauf der ersten Monate habe ich mich in das Projekt ”Jongeren Informatie Bus” involviert, ein Bus, der als Anlaufstelle für Jugendliche dient, die nach Hilfe bei Problemen wie etwa soziale Defizite, Drogen, Alkohol, Diskriminierung ect. suchen. Außerdem war es ein mobiler Jugendclub oder Treffpunkt.
Meine Arbeit dort entwickelte sich so, dass ich die monatlichen Programme für Aktivitäten erstellte und zusammen mit dem verantwortlichen Jugendarbeiter Möglichkeiten suchte die genannten Themen auf eine interessante jugendgerechte Weise zu vermitteln.
In derselben Zeit habe ich überdacht, was ich nun eigentlich Tilburg selbst bieten kann; was ich für ein Projekt entwickeln könnte. Die erste Idee war ein Basis Martial Arts Workshop, da ich etwas Erfahrung in Kampfsport hatte und auch in Tilburg wieder einem Verein beigetreten bin. Leider stieß das aber nicht gerade auf viel Interesse und daher habe ich diese Idee zum Ende `06 wieder gecancelt.
Nun habe ich schon früher gemerkt, dass für so etwas kein Interesse zu bestehen Info-Bus scheint und daher habe ich ungefähr Mitte November ein Projekt entwickelt, deren Idee leider nicht von mir war, das ich aber seit dem entwickelt habe und was auch auf regen Anklang stieß. Namentlich entstand dabei zum Anfang ”Le soir de l’art petit – Klein Kunst Avond” eine offene Bühne, die jungen Künstlern die Möglichkeit geben soll ihr Können vor einem Publikum zu zeigen, was Motivation geben soll sich weiter aktiv mit dem Talent, bzw. dem Hobby zu beschäftigen und auch bei Zuschauern ein Interesse zu erwecken.

Da das Projekt noch in seinen Kinderschuhen steckt, musste ich noch die Talente zu ihrem Glück zwingen, d.h. erst einmal welche finden die auftreten wollen und um mich zu entlasten auch Leute finden, die mir bei der Organisation helfen wollen, kreative Köpfe die Ideen für eine interessante Umsetzung haben. Bei der Suche nach Künstlern haben mir meine bisherigen Kontakte geholfen und ich bin dabei in diversen Bars und bei einem breiten Angebot von Workshops gelandet. Im Laufe der Zeit und der Kunstveranstaltungen hat sich mit den Leuten, die mir geholfen haben auch das Gesicht der Umsetzung geändert und aus der offenen Performancebühne, die von Songwritern, Designern, Kampfkünstlern und Tanzgruppen genutzt wurde, wurde später ein kreativer Kunstabend bei dem es im Wesentlichen darum ging die Kreativität der Besucher mit ungewöhnlichen Musikakts aus dem Bereich Noice, Industrial und Alternativ zu wecken, um dann gemeinsame Kunstwerke zu erstellen. Eines davon bin ich selbst geworden, da ich mich zum bemalen zur Verfügung gestellt habe. Diese Projektidee wurde nun von einer Gruppe freiwilliger, motivierter Jugendlicher übernommen und wird zukünftig auch weitergeführt. Bis das Kunstprojekt diese Metamorphose annahm, die wir bis zu meinem Abschied zweimal durchgeführt haben, hatten noch 3 Durchführungen die Form der offenen Kunstbühne.

Mit den ersten zwei Kunstabenden, die relativ gut besucht waren, haben sich mir dann zum dritten und letzten Abend dieser Form die Türen zum NWE Vorst dem Tilburger Amateurkunst Podium geöffnet, um mich bei der Organisation eines Kunst Festivals zu beteiligen. Bei der Gelegenheit bin ich dann auch das erste Mal selbst aktiv geworden und habe mich schauspielerisch in der Rolle des Mephistopheles probiert, um unsere Vorstellung zu präsentieren.
Ich hätte nicht damit gerechnet, dass es mir Spaß macht, da ich auch davor so nervös war, aber ich habe tatsächlich dabei Blut geleckt und spätestens seit dem, nach ungefähr der Hälfte der Zeit, war vielen bekannt was ich in Tilburg treibe, obwohl ich noch ”der deutsche” genannt wurde. Übrigens sammelt man als Deutscher bei Niederländern Pluspunkte, wenn man in ihrer Sprache antworten kann. Das beeindruckt wirklich.
Was habe ich nun mit meinem ”neuen” Leben in Faust den Niederlanden freizeitlich angefangen? Um sich in eine Stadt zu integrieren, die ”einheimischen” Gewohnheiten und alles was eine andere Kultur auszeichnet, wie identisch sie für Außenstehende auch zu sein scheint, muss man nicht nur dort arbeiten. Leben besteht aus mehr. Sicher lernt man so auch viele Menschen kennen, aber das ist doch keine Basis für eine Freundschaft. Schon eher die Arbeit hinter der Bar während anderen Projekten, wie einem Bandkontest oder im Pop Podium ”013”.

Letztlich habe ich viel mit den Leuten meiner Kunstgruppe unternommen und habe auch vom Tilburger Nachleben genossen.
Da gemeinsame Interessen eine Basis für Freundschaften sein kann, habe ich mich auch mal wieder Sportvereinen angeschlossen wie ”Shaolin-Kempo” und anfangs auch Yoga.
Die niederländische Sprache ist zum Glück für jemanden, der des Deutschen mächtig ist, leichter zu erlernen, als viele andere Sprachen, da es grammatisch viele Parallelen gibt und auch einige Wörter oder zu mindest der Sinn sich ähneln. Nur die Aussprache ist eine andere Welt. Trotzdem habe ich es nach ca. 6 Monaten, auch ohne Sprachkurs geschafft die Sprache soweit zu lernen, dass ich mich auch in niederländisch unterhalten kann. Meiner Meinung nach war der verspätete Sprachkurs auch nicht annährend so effektiv wie die tägliche Konfrontation mit der Sprache. Der Mensch lernt eben aus Notwendigkeit am besten.
Nach einem halben Jahr wurde es Zeit für meinen ersten Urlaub. Schließlich wollte ich auch mal sehen was in Fürstenwalde so passiert ist, seitdem ich weg war.
Überraschend war es für mich, wie vertraut einem das Deutsche plötzlich vorkommt nachdem man ein halbes Jahr nichts davon gehört hat, bzw. es einfach nicht mehr brauchte. Und der Climax mündete dann darin selber in die eigene Sprache zurück finden zu müssen. Es ist einfach nur absurd wenn ich mich am Berliner Bahnhof in englisch nach dem Weg erkundige, weil mir mein Deutsch gerade noch peinlich war, da ich es dauernd mit englisch und niederländisch mixte.
Auf meinem Urlaub habe ich mich seit Anfang meines EFDs gefreut und genau das war mein Fehler. Danach war ich 90%ig in Tilburg und habe dort wirlich gelebt. Ich habe Tilburg als meine zweite Heimat auch missen gelernt, genau wie ich nach dem Urlaub auch wieder glücklich war, zurück zu sein und jetzt Probleme habe, wieder Fürstenwalder zu werden.

Seitdem ich zurück in Deutschland bin, freue ich mich auch schon wieder auf einen Urlaub in Tilburg. Ich habe gemerkt dass es eine Stadt ist die ich gerne immer wieder sehen will, in der ich aber nicht Leben will. Letztendlich kann ich den EFD nur jedem empfehlen. Sicher ist es nichts für jedermann, aber für mich ist dieses Jahr eine Erfahrung die ich nie missen will. Schließlich ist es das erste mal dass ich mich länger im Ausland aufgehalten habe. Es war wie ein Sprung ins kalte Wasser, dass mit der Zeit immer wärmer zu werden scheint. Nicht nur dass ich jetzt eine Zweitsprache habe, sondern auch viele gute Freunde in diversen EU Ländern. Außerdem war es das erste Mal dass ich selbstständig arbeiten konnte und Attak hat mir die Gelegenheit geboten mich selber auszuprobieren, Grenzen auszutesten und meine Talente zu nutzen. Ein interessantes Jahr das sowohl auf meinen Charakter, als auch auf meine Zukunftspläne Einfluss hatte.

„Adios muchacho“…

Mit diesen Worten im Hinterkopf gings für mich Anfang September 2005 auf, Richtung spanische Hauptstadt. Für die kommenden zehn Monate sollte ich das kleine beschauliche Fürstenwalde eintauschen gegen die pulsierende Metropole Madrid als meinen neuen Lebensmittelpunkt. Im Gepäck eine gehörige Portion Neugier und Sehnsucht auf bzw. nach etwas Unbekanntem, aber doch längst Vermisstem.

Meine Anforderungen hatte ich im Vorfeld einigermaßen gedrosselt und nur unwesentlich konkretisiert; angenehme Begegnungen, nette Bekanntschaften, interessante Erlebnisse, prägende Erfahrungen und wiederkommen mit einem anständigen Sprachniveau und einem angemessenen Fernweh. Ich hatte das Gefühl, dass mich etwas Unglaubliches erwartet und jetzt habe ich die Gewissheit, dass etwas Unglaubliches hinter mir liegt.

Interessant zu sehen oder auch zu spüren, ist außerdem die Entwicklung, die man in einer solchen Zeit ohne Zweifel durchlebt. Ich will nicht von einem Kulturschock am Anfang sprechen, aber gerade in der ersten Zeit prasseln unwahrscheinlich viele neue Dinge auf einen ein – aber irgendwie war man ja darauf vorbereitet. Die Phase der „kontrollierten Lernerfolge“ – allerdings in vielerlei Hinsicht – mag bisweilen etwas zu lange dauern, ist aber notwendig. Erst in der Zeit der „routinierten Fortschritte“ erschließt man Umfeld und Umgebung mehr und mehr für sich und kann sich höhere Ziele stecken – wie zum Beispiel den ein oder anderen Kurztrip auf eigene Faust im Land. Der Übergang in die nächste Phase der „fortgeschrittenen Routine“ verläuft meist fließend, aber selten reibungslos. Die abschließende Phase – nennen wir sie mal „wachsende Emotionen“ – wird wie der gesamte Freiwilligendienst natürlich viel zu schnell vorbei sein, aber an Intensität einiges zu bieten haben. Und dann natürlich die Rückkehr. Ich will nicht von einem Kulturschock am Anfang sprechen, aber…
Die bürokratischen und organisatorischen Rahmenbedingungen als Boot, Eigeninitiative und Selbstvertrauen als Segel, das Glück als Wind und auf geht’s in ein „sicheres Abenteuer“.

Seit dem 2. März 2006 bin ich in Ísafjörður daheim, Ísland, Eisland. Dass ich EFD machen wollte, wusste ich schon immer, denn es gibt nicht viele bessere Möglichkeiten, ein Land, seine Kultur, Leute und Sprache kennenzulernen. Das es Ísland wurde, war mir mehr als Recht.

Ich wusste nicht wirklich viel von dem Land, ausser das es überaus wenig Bäume gibt, dafür umso mehr Steine, Lava, Meer, Lichtvolk (Elfen, Geister), Trolle (die bei Tagesanbruch, so sie nicht in ihren Höhlen sind, zu Stein erstarren), Lebenskünstler, heisse Quellen und Geysire und wilde Pferde. Ausserdem wusste ich, dass es Heimat einer Band ist, die ich seit Jahren zu meinen Favoriten zählte: die wunderlich-sphärisch-schön-musizierenden Sigur Rós. Ausserdem Mugison, Björk, Mínus, Amina, Múm, um nur einige Bands/Artists aufzuzählen, mit denen ich Ísland assoziierte.

Angekommen bin ich hier also mit grossen Erwartungen und einer Französin, die mit mir in meinem Projekt arbeiten sollte. Die Erwartungen haben sich erfüllt, die Französin ist nach einer Woche wieder nach Hause. Heimweh, kaum Englischkenntnisse, und dann im letzten Winkelchen Europas, das war wahrscheinlich dann doch etwas zu viel auf einmal….

Nichts desto trotz machte ich mich enthusiastisch auf die Suche nach neuen Bekanntschaften, die nicht lange erfolglos blieb. Die Gerüchte von der Liebenswürdigkeit und Gastfreundschaft der Isländer bestätigte sich, aber auch eine finnische Ballettlehrerin, drei schwedische Au-Pairs, eine norwegische Ski-Trainerin und ein US amerikanischer Austauschschüler zählen jetzt zu meinen Freunden, sowie einem einem lieben deutschen Mädel. Multi-kulti pur, diese Stadt, die mit ihren knapp 4000 Einwohnern das Zentrum der Westfjorde ist.

Mein Projekt besteht darin, in einem Jugendclub (Gamla Apótekið) zu arbeiten und veschiedene Sachen zu organisieren und/oder zu leiten (Kunstkurse, Diskussionsrunden, Videoabende,..) und zu versuchen, den Jugendlichen mehr Freizeitangebot zu geben. Das Verhältnis zwischen Angestellten, Chefs und Jugendlichen ist sehr gelassen und freundschaftlich, es wird sich sowieso landesweit geduzt und mit Vornamen angeredet, jeder kennt jeden und jeder hilft jedem. Es überrascht mich auch immer wieder, wieviel die Isländer in ihrem kleinen Land doch so hinkriegen, es wird geackert und geschuftet, gebaut und gewerkelt, musiziert, getrunken und gefeiert, und alle haben Spass dabei…kein Wunder, dass es mir hier nach 6 Monaten jetzt hier schon so heimelig ist, dass ich meinen Aufenthalt nach meinem EFD hier verlängern werde.
Die Sprache ist mir mittlerweile auch recht geläufig, ich spreche einigermassen viel und verstehe noch mehr. Es ist allerdings immer wieder eine Herausforderung, nicht einfach ins Englische zurückzufallen, das die Isländer von jüngster Kindheit an kennenlernen (Fernsehprogramm, Bücher, importierte Lebensmittel,…).

Mit meinem Projekt hätte ich es also nicht besser treffen können, ich kann mir freinehmen, wenn schönes Wetter ist, oder ich mit Freunden an den Strand fahren will (zum baden ist das Nordmeer natürlich viel zu kalt), oder Eis essen, oder reiten gehen…Ich kann mir Urlaub nehmen, wenn ich rumtingeln will, und wenn ich etwas verwirklichen will, wird mir von allen Seiten geholfen, weil “ach ja, das ist ja das deutsche Mädel, das in Gamla Apótekið arbeitet…
Das Wetter hat es natürlich in sich, der Winter geht offiziell bis Ende April, da liegt dann meist noch hüfttief der Schnee. Und da die Stadt in einem Fjord liegt, also hohe Tafelberge drumherum sind, und wir so nah am Polarkreis sind, deswegen lässt sich irgendwann im Winter die Sonne auch gar nicht mehr blicken, da schafft sie’s dann nicht mehr über die Berge hinweg, das Tageslicht wird nur die Dämmerung sein. (Der kurze Sommer, in dessen Nächten die Sonne gar nicht untergeht, wird dafür rund um die Uhr genossen..)

Also, zu sagen ist, jetzt, nach 6 Monaten Ísafjörður: Ich bin unglaublich stolz darauf hier in den Westfjorden dieses abgelegenen, seltsamen, stillen Landes gelandet zu sein, ich habe Schriftsteller und Poeten, Musiker, Maler, Elektriker, Ex-Alkoholiker und Weltreisende kennengelernt, neue Ansichten haben sich mit meinen alten vermischt, die wunderliche Sprache hat sich in mir eingenistet und einen Troll hab ich auch gesehen (er hatte einen roten Umhang an und ist an meinem Fenster vorbeigerannt, ich schwöre)…ich fühle mich unglaublich wohl hier und bin sehr dankbar, dass ich durch den EFD all das kennengelernt hab.

Am Morgen durch Autoschlangen und Gehupe bis zum Bus schlaengeln, der Sonne entgegen ueber die Brücke am Goldenen Horn fahren, mit dem Boot von Europa nach Asien in 15 Minuten, Baklava bis zum umfallen, ‘Cay’-pausen, Treffen mit anderen jungen Leuten aus allen Ecken Europas..
Das, aber vor allem die Menschen, die ich hier kennengelernt habe, die mir die Möglichkeit gegeben haben, einen so ganz anderen Blick auf die Türkei zu bekommen, werde ich sehr vermissen.
Was will ich denn in Istanbul? Was will Istanbul von mir? So genau konnte ich mir das anfangs selbst nicht beantworten. Ich war neugierig, wollte sehen wie die Türken so sind – wollte wissen was sich hinter den Vorurteilen verbirgt, von denen ich auch nicht frei war. Ich wollte eine andere Kultur erleben, in ihr leben und liebe sie nun. Ich hab die Türken kennengelernt als ein wahnsinnig warmes und herzliches Volk – nirgendswo wurde ich bisher mit so offenen Armen empfangen wie hier. ”Mavi Kalem”, “blauer Stift” heisst die Organisation, die ich 6 Monate meinen Arbeitsplatz nennen durfte.
Am Wochenende ist die kleine Organisation immer voller Leben: Mathe-,Türkisch-, Englisch- und Computerunterricht, Basteln und nun auch einen Deutschkurs, können die Kinder besuchen. Es war das erste Mal für mich, dass ich für eine laengere Zeit in einer Organisation gearbeitet habe und so habe ich in der Zeit viel darüber gelernt, wie man in einem Team arbeitet, wie Projekte organisiert werden, wie man mit Problemen umgeht.
Ich hatte das Glück, dass Mavi Kalem mir die Möglichkeit geboten hat, in den ersten 2 Monaten 15 Stunden pro Woche Türkischunterricht zu bekommen. So konnte ich mich bald zumindest grob verstaendigen.
Jedoch gab es immer wieder kleine Tiefs und ich hatte das Gefühl nie sprechen zu können. Wo ist die Logik in dieser Sprache? fragte ich mich. Aber irgendwie ‘yavas,yavas’(langsam) wurde es immer besser. Erstaunlich, dass trotz der Sprachbarriere die Aktivitaeten mit den Kindern so gut liefen. Sie sind unglaublich geduldig und auch wenn mir oft die Worte fehlten oder ich ihre nicht verstand, fanden wir immer irgendwie einen Weg zu kommunizieren. Was ich mit den Kindern tun wollte, überliess mir Mavi Kalem zum groessten Teil selbst und ich entschied mich zusammen mit Sina, die zur selben Zeit den Freiwilligendienst in Mavi Kalem absolvierte, zuerst eine Praesentation über Deutschland zu machen. Spielerisch naeherten wir uns dem Thema deutscher und türkischer Kultur. Was gibt es für Gemeinsamkeiten, was für Unterschiede?

Waehrend der Weihnachtszeit bastelten wir mit den Kleineren Kerzenstaender, Fenstersterne und Weihnachtsengel. Auch wenn die Stunden oft stressig und anstrengend waren, da ich Probleme hatte die kleine Horde unter Kontrolle zu behalten und mich im türkischen Stimmenwirrwarr zurecht zufinden, fühlte ich mich jedes Mal bereichert , da ich merkte wieviel Freude den Kindern die Stunden bereiteten.
Im Dezember begann ich dann einen Deutschkurs mit den 12-bis 14-jaehrigen. Obwohl ich am Anfang keine Idee davon hatte, wie man wohl unterrichtet, lernte ich mit der Zeit was den Kindern Spass macht und war ueberrascht wie schnell sie sich die Saetze und Worte einpraegen koennen. Sie geniessen es neben der Schule noch andere Dinge zu lernen und mit Menschen aus anderen Laendern zu sprechen ist für sie aufregend. Auch wenn ich manchmal an meine Grenzen kam, zu erklaeren warum denn nun der Stuhl maennlich ist und die Tür weiblich – im türkischen verzichtet man auf so verwirrende Dinge wie Artikel.
Eine andere Aufgabe in den letzten 6 Monaten war für mich die Arbeit im ‘Demlik Cafe’, wo Freiwillige der Organisation, sowie Touristen oder Arbeiter zum Essen und Tee trinken hinkommen. Dort arbeitete ich jeweils einen Tag die Woche und bekam eine Idee von der türkischen Küche, die unglaublich reich und vielfaeltig ist.

Die Frauen im Stadtteil versucht Mavi Kalem dadurch zu unterstützen, dass sie in den Bereichen, wo Aufklaerungsbedarf besteht, Seminare und Workshops anbietet.
Im Januar begann ich, an einer Umfrage mitzuarbeiten, die Mavi Kalem unter den Frauen im Stadtteil Fener ausführte, mit dem Ziel genaueres über ihre Probleme zu erfahren, um dann gezielte Hilfe leisten zu können.
Es beanspruchte einige Zeit, die aus 62 Fragen bestehende Umfrage gründlich zu verstehen und so gut damit vertraut zu sein, selbst mit den Frauen sprechen zu können.
Das ganze war eine Herrausforderung und sehr interessante Erfahrung für mich, da ich so das erste Mal die Lebenssituation der Leute hier kennenlernte. Auch wenn man nicht alles es nicht einfach ist, zu sehen unter welchen Umstaenden die Menschen leben, mit welchen Problemen sie zu kaempfen haben.

Istanbul, Istanbul…eine sehr eigentümliche Stadt. Armut und Reichtum, Humor und Kummer, Moderne und Tradition, Hektik und Gelassenheit, alles liegt so nah beieinander.
Vor allem in den ersten Wochen kann die Stadt auch überfordern:
Egal wo man sich hinbegibt, man ist von tausenden von Menschen umgeben, hat das Gefühl, die Stadt ist am Zerplatzen, alles und jeder ist in Bewegung, überall Stimmengewirr, Musik, Autogehupe.
Die Möglichkeiten seine Freizeit zu verbringen sind unbegrenzt: Die Stadt ist voll von schoenen Orten: Cafes, Bars, Live-Musik, versteckte Passagen, Hügel von wo man über die ganze Stadt schauen kann und natuerlich der Bosporus.
Auch von meiner Unterkunft oder besser meinem Zuhause für die 6 Monate kann ich nur schwaermen. Ich wohnte im Haus einer der Gründerinnen meiner Organisation zusammen mit ihr und ihrem Sohn in einem der Zentren Istanbuls in Taksim.
Ich fühlte mich dort sofort willkommen und es war wirklich ein Zuhause, ein Rückzugspunkt für mich und ich werde die gemeinsamen Abende bei Tee und türkischen Serien sehr vermissen.

Jetzt ist mein EVS fast vorbei und mir gehen viele Fragen durch den Kopf: Wie hat Istanbul mich veraendert? Wo bekomme ich Baklava in Deutschland? Wie kann ich das Gelernte anwenden und teilen? Wie kann ich meine Türkischkenntnisse erweitern? Und vor allem wann wann komme ich wieder her? Es faellt mir sehr schwer alles auf einen Punkt zu bringen, aber ich denke, ich bin durch meinen Freiwilligendienst vor allem offener und aufgeschlossener gegenüber anderen Menschen geworden.
Das Kennenlernen Menschen verschiedenster Kulturen, Bildungs- und inkommensschichten war eine wichtige und wertvolle Erfahrung für mich. Waehrend ich die Unterschiede wahrnahm, stellte ich im selben Moment auch fest, wie ähnlich wir uns doch auch sind, egal ob Türke oder Deutscher, man sollte nicht abstempeln und in Schubladen einsortieren aufgrund einer Nationalitaet. Mir persönlich hat es geholfen, mich aufgrund der veraenderten Umgebung für ganz andere Themen und Probleme zu interessieren und mein Allgmeinwissen zu erweitern. Ausserdem bin ich selbststaendiger geworden, habe gelernt, mich mit Problemen auseinanderzusetzen, bei Meinungsverschiedenheiten, nach einer Lösung zu suchen.
Auch Geduldig sein musste ich lernen, denn zum einen das Sprechen der Sprache, zum anderen das Einleben in das neue Umfeld, braucht Zeit. Sehr oft fühlte ich mich unwohl in der Rolle der Fremden, doch man darf sich nicht von kleinen Tiefschlaegen herunterziehen lassen. Ich habe gelernt, meine Aengste zu ueberwinden, wenn ich mich manchmal am liebsten verkrochen haette, zum Beispiel, wenn ich nicht wusste, wie ich kommunizieren kann, mit den wenigen türkischen Worten, die ich konnte.
Doch irgendwie hat es immer funktioniert, ich habe gelernt, dass die Sprache zweitrangig ist, solange man neugierig auf den anderen ist. Meine Gedanken über das, was ich mit meiner Zukunft anfangen will, sind klarer geworden. Ich möchte nicht nur unbedingt weiterhin als Freiwillige arbeiten, sondern auch im Bereich Sozialwissenschaft studieren, am liebsten in Kombination mit Türkisch.
EVS ist eine Herrausforderung, eine grossartige Möglichkeit, sich auszuprobieren, andere Lebenswelten kennenzulernen , seinen Horizont zu erweitern.

Für uns war die Zeit als Europäischer Freiwilligendienst Freiwillige sehr besonders, da wir uns beide letztes Jahr entschieden haben, ein Jahr YSI (Youth Service Initiative) in den Niederlanden zu machen, ohne auch nur irgendetwas von EVS gewusst zu haben. Von diesem Glück erfuhren wir erst im Februar als unsere Organisation eine Hosting Organisation vom EFD wurde. Von Februar an mussten wir uns keine Sorgen über Geld machen, was uns sehr erleichterte. YSI bestand aus 9 Freiwilligen aus England, Irland, Schottland, Schweden, Amerika und Deutschland. Wir haben zusammen gewohnt, gegessen und gearbeitet. So wurden wir schnell zu einem Team, jedoch kann man es eher als Familie bezeichnen, da wir so eng und fast 24/7 zusammen waren. Außerdem mussten wir einkaufen, kochen, Wäsche waschen und aufräumen bzw. putzen, d.h. wir haben auch den Haushalt geschmissen. Das lehrte uns viel für das spätere unabhängige Leben, was sehr wertvoll ist. Wir lebten in dem Stadtteil Hoograven, welches gleich neben Kanaleneiland – eines der angeblich schlimmsten Stadtteilen Utrechts und sogar der ganzen Niederlande ist. Das war sehr interessant, da wir hauptsächlich in Kanaleneiland arbeiteten und wir somit auch die Umgebung kennen lernen konnten.
Unsere Arbeit war sehr umfassend und gab uns viel Raum viele verschiedene Projekte zu kreieren und daran teilzunehmen. Zwischen Spiele für Kinder und Verwöhntage für Ältere Menschen war alles dabei. Das Jahr gab uns viele Möglichkeiten an unseren Talenten und Fähigkeiten zu arbeiten.
Der Großteil von der EVS-Zeit beschäftigten wir uns damit, ein eigenes Projekt zu organisieren, welches eines der Voraussetzungen von YSI ist. Dazu nahmen wir an einigen „Trainings“ teil, wo wir etwas über Project management und Culture lernten (welches sogar eines des EVS Workshops war). Wir hatten sogar die Möglichkeit an der Hogeschool Utrecht an einem Training teilzunehmen, welches nur für uns von einem der Lehrkräfte organisiert wurde.

A propos, da wir ein internationales Team waren, sprachen wir allein englisch das Jahr über. Niederländisch lernten wir zwar auch, aber nur begrenzt, da die Sprache nur beim Einkaufen und beim Umgang mit Kindern nützlich war. Alle anderen Aktivitäten waren meistens in Englisch. Das gab uns eine große Chance gleich zwei Sprachen zu lernen, bzw. zu verbessern. Jedenfalls, durch die Trainings hatten wir so in etwa eine Ahnung, wie man ein Projekt zu organisieren hat, wie Sponsoren und Partner suchen, ein Programm zu erstellen und letztendlich wie man ein Projekt durchführt.

Am Anfang des Jahres hatten wir zunächst bei vielen Projekten mitgemacht, um zu sehen, wie die lokale Freiwilligenarbeit aussieht. So besuchten wir wöchentliche Aktivitäten wie einen 2nd Hand Laden, eine Mädchengruppe, deren Ziel ist, Mädchen mehr Selbstvertrauen zu geben, „Take 2“ – ein Projekt wo sich ein Freiwilliger/eine Freiwillige sich mit einem 10-12 Jahre altem Kind zusammen tut und für den Nachmittag etwas unternimmt (kann auch als Nanny Job angesehen werden). Wir persönlich organisierten für ein paar Wochen einen „Art Club“ im lokalen Jugendzentrum, etc.
Zu den wöchentlichen Aktivitäten meldeten wir uns auch für Tagesprojekte als Freiwillige an und machten somit bei Projekten mit wie einem „Streetstunt“ im Süden Amsterdams, wo wir „Give Away“ Rosen mit einem Zettel verteilt haben, die immer weiter vergeben werden sollten (Ziel war es, Happiness zu verbreiten), oder wir haben mit einer anderen Organisation einen Spielnachmittag für Kinder organisiert. Es gab noch viel mehr, aber der Grund, wieso wir dort mitmachten ist zum Einen einen Eindruck der holländischen (oder niederländischen) Kultur zu bekommen, zum Anderen Ideen und Inspirationen für unsere eigenen Projekte. Außerdem hatten wir durch die vielen Projekte die Möglichkeit Kontakte zu knüpfen und zu behalten, die für die nächsten Jahre wertvoll sein könnten.

Ich, Sungmi, hatte durch den Art Club die Idee bekommen, mit Kindern von der lokalen Schule ein Projekt zu machen. Die Schule war sofort bereit, zu kooperieren. Ich hatte durch ein früheres Projekt UNOY (United Network of Young Peace Builders – Internationale Friedensorganisation) kennen gelernt und habe mich mit ihr zusammengeschlossen um ein Bild für ihre Kampagne „Violence against Childern and Youth“ zu kreieren. Ein paar Schulkinder haben somit das Bild gemalt, welches dann bei dem nationalen Feiertag „Queensday“ (30.April) ausgestellt wurde.
Kinder konnten ihre Hand auf das Bild malen, Erwachsene eine Petition unterschreiben. Für mich war es überrascht zu sehen, wie viele Leute mich und die Kampagne unterstützt haben. Auch war es eine unglaublich Erfahrung mit so einer professionellen Organisation (UNOY) gearbeitet zu haben und zuletzt wie ich von 0 auf 100 ein Projekt erstellen konnte. Für mich, Janina, wurde es ziemlich stressig. Mein Projekt „European Arts Workshop“ war das Letzte von unserem Team und hatte so einiges insich. Ich hatte mich mit Phil, einer unseren Kollegen, zusammengeschlossen.

Die Idee war es 4 Gruppen zu haben, die aus Musik, Theater, Tanz und Kunst besteht. Jede Gruppe kreiert in der Woche etwas zu dem jeweiligen Thema und am Ende wird es in einem Altenheim vorgeführt. Kurz vor dem Projekt hat unsere „Accomodatiion“ abgesagt und wir mussten nach einer neuen finden. Das war eine echt lehrhafte Erfahrung, da wir nicht so genau mit den Vertrag gewesen sind. Naja, am Ende hatten wir noch etwas gefunden, nur dann leider keine Tanzgruppe mehr, da sich keine angemeldet hatte, jedoch noch drei andere coole Gruppen. Der Auftritt im Altenheim war grandios, besonders, da keiner niederländisch sprechen konnte und man mit Händen und Füßen kommunizieren musste.

Ja, im Großen und Ganzen kann man schon sagen, dass wir vieles erlebt und gelernt hatten.

Ich war für 6 Monate in Cardiff und habe dort in einem Tagescenter mit Senioren gearbeitet.
Meine Arbeit war nicht besonders schwer und ich hatte sehr viel Spaß daran mich mit den Klienten zu Unterhalten und ihre Lebensgeschichten zu erfahren. Ich hatte das Gefühl, dass sie es genossen haben mit jemandem ausführlich zu sprechen und ihre Erfahrungen weitergeben zu können.

In dem Krankenhaus, in dem auch das Tagescenter war, habe ich mit 10 anderen Freiwilligen aus ganz Europa in den nurses accomodations gelebt. Wir hatten sehr viel Spaß, waren ständig unterwegs und es wurde nie langweilig. Ich habe sehr gute Freunde gewonnen und viele Vorurteile verloren. Ich war überrascht wie gut man doch mit Menschen auskommen kann, die ganz anders denken und einen vollkommen unterschiedlichen Hintergrund haben.
Leider hatte ich nur wenige Möglichkeiten die Einheimischen näher kennen zu lernen, konnte aber meine Hemmung Englisch zu sprechen überwinden, habe gelernt selbständig zu sein und Verantwortung zu übernehmen und habe jetzt Freunde in ganz Europa! Der EFD ist eine Erfahrung die jeder nutzen sollte, denn es ist die beste Möglichkeit Europa und seine Bewohner kennen zu lernen, sich sozial zu engagieren und als wichtiger Teil Europas zu fühlen.

Vorbereitung und Ankunft

Es ist zwar immer von Vorteil, sich schon vor der Abreise über das Land und die Region, in der man leben wird, zu informieren…aber wenn man dann tatsächlich angekommen ist, erlebt man trotzdem alles ganz anders. Jenen sogenannten Kulturschock, der bei den meisten Freiwilligen erst nach einigen Wochen Urlaubsgefühl und Faszination für die Fremde eintritt, hatte ich direkt am ersten Abend.
Moldawien ist bekanntlich das ärmste Land Europas, und auch wenn ich in der Hauptstadt leben und arbeiten würde, schien mir alles doch so ärmlich, schmutzig und staubig, so viele Straßenköter, so viele zerfallene Häuser und keinen, den man kennt. Das waren meine Gedanken, als ich von einer Mitarbeiterin meiner Aufnahmeorganisation ADVIT vom Flughafen abgeholt wurde und mit ihr im Taxi zu meiner Gastfamilie fuhr. Auch dort fühlte ich mich nicht wohler, alles war fremd, hunderte Kuscheltiere starrten mich von überall her an (ein Hinterlass der ehemals im Zimmer wohnenden Tochter der Gasteltern) und ich sollte auf einer ausgeklappten Holzbank mit Schaumstoffbezug schlafen. Kurz gesagt, ich kam an und wollte direkt wieder weg.
Aber schon am nächsten Tag wurde alles besser, als ich zu dem winzigen Büro der Organisation gebracht wurde und man mir erste Instruktionen für meinen Dienst und Aufenthalt gab. An diesem Tag kam dann auch noch eine zweite Freiwillige an, die mit mir in der Gastfamilie leben sollte. Heute sind wir eng befreundet und ich kann mir einen Alltag ohne sie nicht mehr vorstellen.
Im Laufe der ersten Woche lernte ich andere Freiwillige kennen (ich hatte ja nicht gewusst, wie viele wir waren!) und erkundete Schritt für Schritt die Stadt. Dann trafen sich auch schon alle Freiwilligen zum gemeinsamen On-Arrival-Training (ein mehrtägiges Einführungsseminar), wofür wir gemeinsam in ein entlegenes Dorf in eine Herberge fuhren. Nach drei Tagen kannte ich alle neuen Freiwilligen, fühlte mich nicht mehr so fremd, wusste ein wenig genauer, was auf mich zukommen würde.
Bis ich dann aber tatsächlich das Gefühl hatte, mich vollkommen eingelebt zu haben (also alltägliche Dinge wie Einkäufe, Benutzung der öffentlichen Verkehrsmittel, meine Arbeit als Routine zu empfinden) dauerte es noch fast zwei Monate.

Meine Arbeit

Zwei Wochen nach dem Training brachte man alle Freiwilligen, die in einem Kinder- und Jugendzentrum arbeiten würden, in ihre Projekte. Diese sogenannten „Zentren“ sind eigentlich nur ausgebaute Parterrewohnungen, die in einem der unzähligen Riesenplattenbauten liegen und als nachmittäglicher Aufenthaltsort für die Kinder dieser oder benachbarter Gebäude dienen. Dorthin kommen dann oft Kinder aus ärmeren Familien oder solche, deren Eltern im Ausland arbeiten und sie bei anderen Verwandten leben, die aber ebenfalls vollzeitbeschäftigt sind.
Ich hatte großes Glück mit meinem Projekt: die Sozialarbeiterinnen dort waren nett und nahmen meine Vorschläge gern entgegen; die Räume hatten Fenster (das ist nicht in jedem Projekt der Fall!)und Türen, die man noch schließen konnte; die Kinder waren nett und empfingen mich mit offenen Armen; ich wurde bei all meinen Vorhaben unterstützt. Letzteres, so muss ich leider sagen, war längst nicht bei allen Freiwilligen der Fall. Einige trafen trotz großen Enthusiasmus auf Ignoranz bzw. fehlende Unterstützung des Projekts, andere hatten einfach keine Ideen, was sie in ihrem Projekt so recht anfangen sollten. Ein konkretes Beispiel dafür wäre der andere Freiwillige in meinem Projekt, der achtzig Prozent seiner Zeit nur abgesessen hat und darauf wartete, dass ein Kind zu ihm kommen würde.

Ich habe mir hingegen von Anfang an konkrete Aufgaben gegeben und Ziele gesetzt, die auch begrüßt und stets unterstütz wurden. Schon einen Tag nach meinem ersten Besuch im Projekt sollte ich anfangen: mit Tanzunterricht.

Heute kann ich auf unzählige Wochen zurückblicken, in denen ich an drei Tagen Unterricht für anfangs eine, kurze Zeit später (durch stetig wachsende Nachfrage) zwei Kindergruppen, eine Jugendgruppe, zwischendurch eine Frauengruppe und einen Privatschüler gab. Ich unterrichtete modernen, indischen, orientalischen und Standardtanz.
In regelmäßigen Abständen führten die Kinder und Jugendlichen dann ihre Tänze auf. Insgesamt habe ich mehr als 20 Choreographien erdacht, einstudiert und mit den Kindern eingeübt. Aber es gab noch andere Dinge, die der andere und später noch eine weitere Freiwillige und ich zusammen organisierten. So zum Beispiel einige Bastelnachmittage, oft als Vorbereitung für von uns organisierte Projektfeste: Für eine Halloweenparty bastelten wir Kostüme und Girlanden mit den Kindern, für die Weihnachtsfeier Baumschmuck und Grußkarten aus Papier, für die Faschingsfeier (ein größeres Vorhaben, denn wir feierten zusammen mit einem anderen Zentrum) wieder Kostüme, für die Osterfeier Körbchen nebst bunt bemalten Eiern. Die Feste selbst bestanden dann aus einer Aufführung der neuesten Tänze, zahlreichen Wettspielen mit Süßigkeitenpreisen und anschließender Disko. Es hat allen immer großen Spaß gemacht; mal sehen, ob meine Abschlussfeier auch so ein Erfolg wird…

Ich habe mir hingegen von Anfang an konkrete Aufgaben gegeben und Ziele gesetzt, die auch begrüßt und stets unterstütz wurden. Schon einen Tag nach meinem ersten Besuch im Projekt sollte ich anfangen: mit Tanzunterricht.

Heute kann ich auf unzählige Wochen zurückblicken, in denen ich an drei Tagen Unterricht für anfangs eine, kurze Zeit später (durch stetig wachsende Nachfrage) zwei Kindergruppen, eine Jugendgruppe, zwischendurch eine Frauengruppe und einen Privatschüler gab. Ich unterrichtete modernen, indischen, orientalischen und Standardtanz.
In regelmäßigen Abständen führten die Kinder und Jugendlichen dann ihre Tänze auf. Insgesamt habe ich mehr als 20 Choreographien erdacht, einstudiert und mit den Kindern eingeübt. Aber es gab noch andere Dinge, die der andere und später noch eine weitere Freiwillige und ich zusammen organisierten. So zum Beispiel einige Bastelnachmittage, oft als Vorbereitung für von uns organisierte Projektfeste: Für eine Halloweenparty bastelten wir Kostüme und Girlanden mit den Kindern, für die Weihnachtsfeier Baumschmuck und Grußkarten aus Papier, für die Faschingsfeier (ein größeres Vorhaben, denn wir feierten zusammen mit einem anderen Zentrum) wieder Kostüme, für die Osterfeier Körbchen nebst bunt bemalten Eiern. Die Feste selbst bestanden dann aus einer Aufführung der neuesten Tänze, zahlreichen Wettspielen mit Süßigkeitenpreisen und anschließender Disko. Es hat allen immer großen Spaß gemacht; mal sehen, ob meine Abschlussfeier auch so ein Erfolg wird…

Freizeit und alltägliche Gewohnheiten

Ich möchte da niemandem etwas vormachen: Die meisten Freiwilligen haben kein besonders stressiges, erst recht nicht hartes Leben. Da meine Arbeit erst am späten Mittag begann, hatte ich jeden Morgen frei und hatte Zeit zum Ausschlafen, langem Frühstücken mit meiner Mitbewohnerin, für Vorbereitung auf die Tanzstunden ; Zeit zum Sprachen lernen, zeichnen, lesen, nachdenken, Reisetagebuch schreiben oder was auch immer man schon immer mal machen wollte, aber nie dazu kam.

Die Abende verbrachte ich dann entweder bei anderen Freiwilligen, mit ihnen in einer Bar oder im Park, oder zuhause mit Kochen oder Film Gucken. Die Wochenenden hatte ich frei. Dann gingen wir oft auf den Markt (nicht nur für Lebensmittel…hier gibt es nämlich riesige Flohmärkte!), machten Ausflüge oder verreisten über ein langes Wochenende in umliegende Länder. In meiner Zeit hier war ich einmal in Iasi (Rumänien), zweimal in Odessa (Ukraine), einmal in Kiev und einmal in Istanbul (dafür nahm ich mir aber eine ganze Woche). Vor meiner Abreise fahre ich noch nach Bukarest. Man hat also auch Möglichkeit zum Reisen und Kultur Erleben, das ist auch von der Arbeit her kein Problem.

Leben in einer neuen Gemeinschaft, fernab von gewohnten Kreisen

Wer für längere Zeit ins Ausland geht, muss damit rechnen, dass sich die Verhältnisse ändern. Das bedeutet einerseits, dass längst nicht alle Freundschaften und engen Beziehungen von vorher diese Zeitspanne überstehen- oft auch genau die nicht, von denen man es man wenigsten erwartet hätte. Dafür werden andere Beziehungen umso enger, je weiter und länger man weg ist. Für mich bedeutete das konkret, dass viele meiner einst so engen Freunde sich nie gemeldet haben; aber die Beziehung zu meinem Vater, mit dem ich mich vorher oft gestritten habe, jetzt wieder absolut rosig ist. Die Änderung der Verhältnisse bedeutet aber auch, dass man sich selbst ändert- seinen Charakter, seine Ansichten, seine Beziehung zu anderen- und genauso auch das Leben daheim weitergeht, sich stetig entwickelt, ohne dass man dabei ist. Für mich wiederum hieß und heißt das: Mein kleiner Bruder erscheint mir viel älter als vorher, ebenso meine Eltern; ich bin selbstständiger und kritischer gegenüber meiner Familie geworden- und weiß jetzt trotzdem, dass ich sie immer als stärkenden Rückhalt brauche. Natürlich bedeutet die Zeit im Ausland aber auch, dass man viele neue Freundschaften knüpft: Sei es mit anderen Freiwilligen, mit lokalen Leuten, mit Mitarbeitern der Organisation. Ich persönlich habe mich in der Freiwilligengemeinschaft immer sehr wohl gefühlt, internationale Freunde gefunden und die Zeit sehr genossen. Auch meine eher kleine Aufnahmeorganisation strahlte etwas sehr persönliches und familiäres aus, sodass ich immer das Gefühl hatte, dass mir jemand bei Problemen helfen oder diese gar für mich lösen kann- was dann auch tatsächlich so geschah. Schwieriger war es für mich, lokale Freunde zu finden. Das lag einerseits natürlich an mir selbst, denn die meiste Zeit verbrachte ich ja mit anderen Freiwilligen (hatte dort ja ‚genügend‘ Freunde); andererseits ist es aber bei solch großen kulturellen Unterschieden (wie zwischen Deutschland und Moldawien) schwer, Bekanntschaften mit ähnlichen Interessen und Lebensvorstellungen zu finden. Als konkretes Beispiel: Viele junge Frauen in meinem Alter (also Anfang 20) haben hier schon Kinder und sind verheiratet, oder arbeiten beständig auf dieses Ziel hin. Deutsche Freiwillige haben da andere Vorstellungen, was man in diesem Alter tun sollte: Studieren oder eine Ausbildung machen, seine Freizeit für Partys, Sport, Kunst und politische Bildung nutzen. Zudem kleiden sich die meisten Moldauerinnen auf eine Art, die hier zwar als angemessen und dem gesellschaftlichen Anspruch entsprechend gilt, bei uns aber schlichtweg als Arbeitskleidung für Prostituierte gelten würde. Es ist also gar nicht so einfach, jemanden zu finden, mit dem man sich gut versteht und gemeinsame Interessen verfolgt- und der dann auch noch Lust hat, zumeist nicht in seiner Muttersprache, sondern in Englisch mit einem Freiwilligen zu kommunizieren. Das soll natürlich nicht bedeuten, dass man hier keine Bekanntschaften macht; aber die Chance, dass daraus dauerhafte Freundschaften werden, ist eher gering.

Ergebnisse des Freiwilligendienstes – ein höchst subjektives Fazit

Auch wenn ich nicht die Menschheit und auch nicht die ganze Welt gerettet habe, finde ich doch, dass ich durch meinen Freiwilligendienst etwas erreichen konnte. Bezogen auf meine Arbeit bedeutet das: Durch den Tanzunterricht sind die Kinder und Jugendlichen kreativer geworden, haben Koordination und Kondition verbessert, haben Schamgefühl abgelegt und einen neuen Gruppenzusammenhalt entwickelt. Sie haben viele neue Musikrichtungen kennen- und schätzen gelernt. Durch die Auftritte sind sie selbstsicherer geworden … und waren natürlich stolz auf das, was sie geleistet haben. Die Tanzauftritte (welche auch in größerem Rahmen stattfanden) hat die Direktion aller Zentren im positiven Sinne auf unser Projekt aufmerksam gemacht – und so dazu beigetragen, dass dem Projekt Gelder zur Renovierung zur Verfügung gestellt wurden. Auch haben die Kinder und Jugendliche ihr Englisch verbessert, was sie anfangs mit mir sprechen mussten und später wollten. Sie haben viele deutsche Spiele kennengelernt (es gibt jetzt keine Feier mehr ohne Topfschlagen), und Traditionen zu den einzelnen Festen im Jahr. Und mehr als alles noch hat es ihnen, so erschien es mir zumindest, immer großen Spaß gemacht, wenn wir miteinander getanzt, gebastelt, gefeiert oder auch einfach nur gespielt haben.

Zudem hat der Freiwilligendienst natürlich mich selbst in höchstem Maße verändert. Dadurch, dass ich fernab von meiner Heimat gelebt habe, hat sich mein Blick auf Deutschland und meine Ansicht über seine Kultur, seinen Entwicklungsstand und seine Gesellschaft als Spiegel dafür sehr geändert. Man lernt Dinge im eigenen Land zu schätzen, auf die man vorher nie geachtet hat; man lernt die Eigenheiten seines eigenen Landes kennen und man beginnt, die Lücken und Nachteile zu erkennen. Auch die moldawische Kultur, die mir vorher gänzlich unbekannt war, ist mir habe ich aktiv erfahren. Allgemein ist Osteuropa für mich kein grauer Fleck auf der gedanklichen Karte mehr, sondern ein von vielen unterschätztes hochgradig Erlebnis- und Kultur-geladenes Gebiet, das Westeuropa in vielen Dingen weit voransteht.

Durch meine Arbeit habe ich viel über den Umgang mit Kindern und Jugendlichen gelernt. Das war auch eines der Ziele meines Freiwilligendienstes, denn ich möchte ab Oktober ein Studium auf Lehramt beginnen. Jetzt bin ich mir nicht nur absolut sicher, dass es das richtige für mich ist, sondern habe auch praktische Erfahrungen gesammelt: Die Arbeit in den Tanzgruppen hat mich viel darüber gelehrt, die Reaktionen von Kindern ab- und einzuschätzen und in angemessener Weise auf ihre Wünsche, Fähigkeiten und Ansprüche einzugehen. Ich habe gelernt, wie man Autorität auch ohne Worte ausstrahlt- durch richtiges Auftreten, Kleidung, Mimik und Gestik. Ich weiß jetzt, wie schnell man das Vertrauen von Kindern gewinnen kann, aber auch, wie leicht sie verletzlich sind. Auch über Lehrmethoden als solche habe ich neue Erkenntnisse gewonnen. Und ich habe gelernt, meine Ideen gegenüber meinen Vorgesetzten durchzusetzen und dabei eine Balance aus meinen und ihren Vorstellungen zu finden.

Natürlich habe ich auch meine Sprachkenntnisse erweitert. Mein Englisch hat sich durch den täglichen Gebrauch unter Freiwilligen oder mit der Organisation verbessert und gefestigt. Ich habe Sprachunterricht in Russisch erhalten, sodass ich jetzt über einen Grundwortschatz, Basiskenntnisse in der Grammatik und Erfahrungen im Alltagsgebrauch habe. Ich bekam Privatunterricht von einer Muttersprachlerin, sodass ich ein etwas anderes Russisch lernte, als das, was in den Lehrbüchern steht. Zudem habe ich mir über das Internet, lokale Freunde und andere Freiwillige ein bisschen Rumänisch angeeignet, der offiziellen Amtssprache des Landes. So kann ich mich jetzt sowohl in meinem Projekt verständigen (dort wird fast nur Rumänisch gesprochen), aber auch mit meinen Gasteltern reden (diese sprechen nur Russisch). Zudem habe ich von einer anderen Freiwilligen Privatunterricht in Altgriechisch bekommen, was ich später für mein Lateinstudium brauchen werde. Ich habe also sprachenbezüglich alle mir gegebenen Möglichkeiten des Lernens erfolgreich genutzt.

Und nicht zuletzt habe ich mich selbst näher kennengelernt. Vor allem dadurch, dass ich endlich mal Zeit zum Nachdenken und Selbstverwirklichen hatte. Ich kenne jetzt meine Stärken, Schwächen, Ängste und weiß mit ihnen umzugehen. Ich weiß jetzt, was ich immer und überall brauche und worauf ich gut verzichten kann. Ich kann einschätzen, wie ich auf andere wirke und wie ich diese Wirkung beeinflussen kann. Und ich weiß, dass ich niemals ohne Sehnsucht leben kann… entweder habe ich Fern- oder aber ein wenig Heimweh.

Praktische Tipps

Auch wenn ich meine Erfahrungen nicht für alle Länder und erst recht nicht alle Freiwilligen verallgemeinern kann, möchte ich doch einige Hinweise geben, die einem den Freiwilligendienst erleichtern können.

Allgemein für den Freiwilligendienst:
Man sollte einen solchen Dienst nur aus eigener Überzeugung und nicht dank Überzeugungsarbeit machen. Gegenteiliges bringt niemandem etwas, wie ich selbst bei meinem Projekt-Freiwilligen-Kollegen erleben durfte.
Bei der Projektwahl ist darauf zu achten, dass man sich schon vorher konkret überlegen sollte, ob und was man im Projekt machen kann (wenn die Beschreibung es nicht schon genau vorsieht).
Man sollte sich nicht scheuen, der Organisation Fragen zu seinem bevorstehenden EFD zu stellen; oft bekommt man so auch Kontaktdaten von Freiwilligen, die bereits im Land sind oder waren- und oft noch viel nützlichere Tipps geben können.

Für einen Freiwilligendienst in Osteuropa:
Auch wenn man Taschen- und Verpflegungsgeld bekommt, sollte man für größere Ausflüge und Reisen eigenes Geld mitnehmen. Am besten gleich in bar, denn der Banktransfer in diese Region ist oft sehr teuer und klappt auch nicht immer. (Meine Eltern bezahlten für die Überweisung von 20€ auf mein moldawisches Konto über 35€ Transfergebühren.)
An Flughäfen, in öffentlichen Ämtern etc. sprechen die Angestellten oft kaum oder kein Englisch; Französisch- oder Russischkenntnisse sind daher von Vorteil. Man kann es aber auch mit Deutsch versuchen; insbesondere bei älteren Herren, die einst in Deutschland stationiert waren.
Nicht überall herrscht deutsche Bürokratie, Pünktlichkeit und Sauberkeit. Insbesondere der Postverkehr ist nicht besonders zuverlässig. Es kommen längst nicht alle Briefe nach und aus Deutschland an; genauso wie Pakete oft sehr lange brauchen oder aber irgendwann an den Entsender zurückgeschickt werden.

Für einen Freiwilligendienst in Moldawien:
Moldawien heißt eigentlich und richtig „Republik Moldau“, auf Englisch „Moldova“.
Alle tierischen Produkte, insbesondere aber Fleisch und Wurst sind hierzulande sehr teuer. Man sollte daher schon bei Einreise die eine oder andere Salami importieren oder Besucher bitten, dergleichen mitzunehmen.
Auch in dieses Land besteht nicht nur aus Dorf und Steppe. Man kann hier alles kaufen wie anderswo in Europa auch. Nur sind Haushaltswaren etc. nicht unbedingt preiswerter als in Deutschland. Für die Damen speziell sei noch gesagt, dass hierzulande kaum Tampons benutzt werden… diese sollte man also in ausreichendem Maße selbst mitbringen.

Und weil ich immer das letzte Wort haben muss…

…möchte ich zum Abschluss noch sagen, dass es die beste Entscheidung für das Jahr zwischen Schule und Studium war, hierher nach Moldawien zu kommen.