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Internat. Jugendbegegnungen für gehörlose und hörende Teilnehmer

Internationale Jugendbegegnungen für gehörlose und hörende junge Menschen

Leise. Das ist eine ungewöhnliche Beschreibung, wenn man an eine lebendige, bunte und dynamische Jugendbegegnung denkt. Leise, geräuscharm, das beschreibt bei dieser Begegnung jedoch ein zentrales Charakteristikum, denn alles Laute wird bedeutungslos, wenn man sich mit gehörlosen Menschen trifft. Will man sich bemerkbar machen, dann durch Zeichen. Licht ein, Licht aus, um die Aufmerksamkeit aller zu bekommen. Mit „Listen to the Silence“ haben wir ein Experiment gewagt, eine doppelte Begegnung, nämlich zwischen jungen Menschen aus drei verschiedenen Ländern (Deutschland, Tschechien und Malta) und gleichzeitig zwischen Gehörlosen und Hörenden. Und das drei Mal: im März in unserer Jugendbildungsstätte Hirschluch, im Juni auf Gozo (Malta) und im September an der Moldau in Tschechien. Auch das ist ungewöhnlich: drei Begegnungen mit (beinahe) derselben Gruppe innerhalb eines Jahres.

„Wann hast Du zum letzten Mal etwas zum ersten Mal getan?“ – mit dieser Herausforderung wurden hörende junge Menschen eingeladen, sich auf dieses Experiment einzulassen, und die Nachfrage war größer als die zur Verfügung stehenden Plätze.  Zum ersten Mal erleben, dass man auch ohne gesprochene Worte miteinander reden kann. Wie geht das? Indem gehörlose junge Menschen uns dabei helfen. Gehörlos sein heißt, nicht anders zu sein, aber mit anderen Mitteln zu kommunizieren. In dieser Kommunikation ohne Worte sind Gehörlose die Spezialisten, können wir Hörenden von ihnen lernen.  Warum werden eigentlich an Schulen Fremdsprachen unterrichtet, aber nicht die Gebärdensprache? Neben kleinen Fortschritten in Gebärden experimentierten wir auch mit allen Möglichkeiten der Kommunikation ohne gesprochene Worte: Schrift und Zeichensprache, Bildsprache (Fotografie), Theater (Pantomime), erfuhren einiges über die beteiligten Länder und machten Ausflüge in die Umgebung, beschäftigten uns mit erfolgreichen und berühmten Personen, die gehörlos sind (was die Hörenden meist gar nicht wissen) und mit der Frage, warum gehörlose Menschen oft diskriminiert und für dumm gehalten werden.

Trotz des Bemühens um erste Schritte in der Gebärdensprache wäre Vieles in diesen Begegnungen nicht möglich gewesen, ohne die Hilfe von Gebärdensprachen-Dolmetschern. Als Menschen, die nicht in dieser Welt der Stille leben, denken wir vielleicht, mit Gebärden ist es viel leichter, die Grenzen von Ländern, Kulturen und (gesprochenen) Sprachen zu überwinden. Doch weit gefehlt: jedes Land hat seine eigene Gebärdensprache! So kam es, dass die Hörenden sich in der Regel auf Englisch verständigen konnten, doch wenn jemand Englisch sprach, standen daneben drei Dolmetscher, die gleichzeitig in die jeweilige Gebärdensprache übersetzten. Gleichzeitig, das ging nur, weil es geräuschlos war; eine Verdolmetschung in gesprochene Sprachen hätte nur nacheinander erfolgen können und sich ewig hingezogen.

Nachdem die Finanzierung des Projektes aus Mitteln des europäischen Programms Erasmus+ zunächst auf die drei Begegnungen im Jahr 2016 begrenzt war, haben wir uns mit unseren internationalen Partnern darauf verständigt, für die nächsten Jahre weitere Anträge zu stellen und die Begegnungsreihe fortzusetzen. Weil die große Altersspanne sich bisweilen als schwierig erwiesen hat, soll die Fortsetzung in zwei Altersgruppen erfolgen: unter dem Titel „Let our bodies speak!“ für die 14-17 Jährigen und als „Listen to the Silence“ für die ab 18 Jährigen. Die genauen Termine und Bedingungen werden auf unserer Internetseite in der Veranstaltungsübersicht veröffentlicht.