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st_stein_startWas sind Stolpersteine?

Stolpersteine sind ein Projekt des Kölner Künstlers Gunter Demnig, begonnen 1992, welches die Erinnerung an die Opfer des Nationalsozialismus, an die Vertreibung und Vernichtung der Juden, der Sinti und Roma, der politisch Verfolgten, der Homosexuellen, der Zeugen Jehovas und der Euthanasieopfer lebendig erhalten möchte. Der Künstler Gunter Demnig erinnert an die Opfer der NS-Zeit, indem er vor ihrem letzten, selbst gewählten Wohnort Pflastersteine mit einer 10×10 cm großen Messingplatte in den Gehweg einlässt. Auf der Messingplatte steht: HIER WOHNTE…, es folgen die vorher recherchierten Namen, Daten und Schicksale der Opfer – ein Stein, ein Name, ein Mensch. Inzwischen liegen über 20.000 STOLPERSTEINE in ca. 470 Orten Deutschlands; außerdem in Österreich, Ungarn, den Niederlanden, Polen, Tschechien und der Ukraine. „Ein Mensch ist erst vergessen, wenn sein Name vergessen ist“, sagt Gunter Demnig. Mit den Steinen vor den Häusern wird die Erinnerung an die Menschen lebendig, die einst hier wohnten. Um dieses Ziel zu erreichen, sind zunächst jedoch erst einmal umfangreiche Recherchen lokaler Initiativen vor Ort notwendig.

In Fürstenwalde wurde auf Initiative der Plattform gegen Rechts Ende 2004 die Arbeitsgruppe „Stolpersteine“ gegründet, in der Jugendliche, Senioren, das Städtische Museum, die evangelische Kirche, Mitglieder der Plattform gegen Rechts und weitere verschiedene ehrenamtlich tätige Fürstenwalder/innen mitarbeiten. Von Anfang an gab es für das Anliegen von Seiten der Stadtverwaltung ausdrückliches Wohlwollen und Unterstützung. Begonnen wurde die Arbeit mit einer Liste von 35 Namen jüdischer Fürstenwalder aus dem Jahr 1935 anlässlich der Wahl zur damaligen Synagogengemeinde (alles männliche Namen). Mittlerweile sind über 170 Namen jüdischer Bürger bekannt, wenn auch nicht von jedem das Schicksal. Schüler verschiedener Fürstenwalder Schulen und Mitglieder der AG „Stolpersteine“ fuhren mehrmals zu Recherchen ins Brandenburgische Landeshauptarchiv. Weitere Anhaltspunkte wurden in der Datenbank von Yad Vashem und im „Gedenkbuch Berlins der jüdischen Opfer des Nationalsozialismus“ gefunden. Die Fürstenwalder/innen nahmen aber nicht nur jüdische Opfer in den Blick, sondern von Anfang an wurden mehrere Opfergruppen in die Recherche einbezogen. Es wurden Namen politischer Opfer recherchiert, und von Seiten der Samariteranstalten wurden die AG im Rahmen des Projektes Wissenschaftler beauftragt, in verschiedenen Archiven in Potsdam, Berlin und Bernburg nach Fürstenwalder Opfern der Samariteranstalten zu forschen. Es galt als sicher, dass mehrere Transporte von Frankfurt (Oder) über Fürstenwalde nach Brandenburg – Görden in die Nervenheilanstalt gingen – mit Bewohnern der Samariteranstalten. Die meisten von ihnen wurden ermordet – weil sie als „unwertes Leben“ eingestuft wurden.

Mittlerweile wurden in Fürstenwalde 30 Steine verlegt, 17 für jüdische Opfer, 3 für politische Opfer und 10 für Euthanasieopfer.

Bisher wurden folgende Steine verlegt:

Jüdische Opfer
Johanna Gerber, geb. Lewin
Jahrgang 1873
Medizinische Hilfe verweigert
Tot am 24.03.1942

Max Gerber
Jahrgang 1874
Deportiert am 19.09.1942 nach Theresienstadt
Weiter nach Treblinka, ermordet

Betty Heymann, geb. Weinkrantz
Jahrgang 1882
Deportiert am 13.06.1942 nach Sobibór
ermordet

David Heymann
Jahrgang 1878
Deportiert am 13.06.1942 nach Sobibór
ermordet

Erich Heymann
Jahrgang 1912
Deportiert am 01.03.1943 nach Auschwitz
ermordet

Auf dem Gelände der Samariteranstalten, August-Bebel-Str.1-4

Euthanasieopfer
ermordet im Rahmen der T4-Aktion

Hildegard L.
Jahrgang 1926
ermordet 20.06.1940
in der Heil- und Pflegeanstalt Bernburg

Elisabeth W.
Jahrgang 1922
ermordet 07.02.1940
in der Heil- und Pflegeanstalt Bernburg

H.F. Wilhelm K.
Jahrgang 1886
ermordet 05.03.1941
in der Heil- und Pflegeanstalt Bernburg

Charlotte F.
Jahrgang 1902
ermordet 27.11.1941
in der Landesanstalt Görden

Lina G.
Jahrgang 1900
ermordet 27.11.1940
in der Heil- und Pflegeanstalt Bernburg

Erika H.
Jahrgang 1920
ermordet 07.03.1941
in der Heil- und Pflegeanstalt Bernburg

Ursula R.
Jahrgang 1925
ermordet 05.08.1941
in der Heil- und Pflegeanstalt Bernburg

Friedrich V.
Jahrgang 1869
ermordet 05.03.1941
in der Heil- und Pflegeanstalt Bernburg

Elsbeth N.
Jahrgang 1888
ermordet 27.11.1940
in der Heil- und Pflegeanstalt Bernburg

Anmerkung:
Die Vollständigen Namen der Opfer sind bekannt, dürfen aber zu ihrem Schutz und zum Schutz der Angehörigen nicht veröffentlicht werden.

Jüdische Opfer

Paula Markuse, geb. Sternberg
Geb. 19.12.1881
Deportiert am 25.10.1941 nach Łodz, ermordet

Klaus Markuse
geb.13.10.1921,
geflohen 1938 nach England;
Gest. 28.11.2001
Letzter Wohnort in Fürstenwalde: Otto-Nuschke-Str.9 (ehem. Karlstr.)

Jüdische Opfer

Florentine Waldau
Geb.10.12.1876
Vermögenserklärung am 1.4.1942 abgegeben,
Schicksal unbekannt

Regina Waldau

Geb. 08.01.1899
Deportiert am 19.21943 nach Auschwitz
Letzter Wohnort in Fürstenwalde: Eisenbahnstr. 144

Dr. Hans Klopstock

Geb. 19.03.1879
Verhaftet am 09.11.1938
Gestorben am 12.12.1938 im KZ Sachsenhausen

Frieda Klopstock, geb. Bütow

Geb. 05.07.1890
Deportiert am 3.2.1943 nach Auschwitz, verschollen
Letzter Wohnort in Fürstenwalde: Dr.-Wilhelm-Külz-Str.45

Heimann Storch

Geb. 11.11.1876

Rosa Storch

Geb. 13.02.1889
Deportiert ins Warschauer Ghetto, dort umgekommen

Hilde Hurst, geb. Storch

Geburtsdatum nicht bekannt
Geflohen nach England, überlebt
Letzter Wohnort in Fürstenwalde: Eisenbahnstr. 147

Sophie Davidsohn

Geb.19.03.1874
Deportiert am 2.3.1943 nach Auschwitz, dort verschollen
Letzter Wohnort in Fürstenwalde: Fischerstr. 10 (heute Fischerstraße, Ecke Eisenbahnstraße)

Gertrud Krebs, geb. Gumpert

Geb. 15.01.1884
Freitod am 18.10.1941 in Berlin
durch Schlaftabletten
Letzter Wohnort in Fürstenwalde: Am Markt 4 (heute Marktplatz)

Politische Opfer

Richard Soland
Mitglied im Rotfrontkämpferbund
geb. 16.05.1898
ermordet am 10.06.1941 in der Heil-und Pflegeanstalt Bernburg
Letzter Wohnort in Fürstenwalde:Karl-Cheret-Str.8a

Richard Weißensteiner

Mitglied der „Roten Kapelle“
geb. 06.02.1907
hingerichtet 13.05.1943 in Plötzensee
Letzter Wohnort in Fürstenwald: Otto-Nuschke-Str. 16

Jüdisches Opfer
Dr. Herbert Flatauer
geb.07.03.1893,
10.06 KZ Theresienstadt, verschollen
Eisenbahnstr.9, vor dem Amtsgericht

Politisches Opfer

Albert Genz
geb. 10.04.1882
gestorben 27.02.1938 an den Folgen von Gestapohaft und Zwangsarbeit
August-Bebel-Str.32

Euthanasieopfer

Wera G.
geb. 07.01.1923
ermordet 05.08.1941
in der Heil-und Pflegeanstalt Bernburg
August-Bebel-Str., vor den Samariteranstalten